CTC - communities that care

Abgezockt! Parcours zur Glückspielprävention
(früher: Glücksspielparcours - Koffer zur Glücksspielprävention)
Effektivität nachgewiesen

Programminformationen

Ziel

Vermittlung von Wissen zu relevanten Aspekten zum Thema Glücksspiel. Förderung eines selbstkritischen, verantwortungsbewussten und kontrollierten Umgangs mit Glücksspielen. Informationen über Anreize und Risiken des Glücksspiels, Gewinnwahrscheinlichkeiten und des Gefährdungspotenzials einzelner Glücksspiele. Reflektion des eigenen Verhaltens und Gefährdungspotentials, Bestärkung von Glücksspielabstinenz und Hinauszögern erster Spielerfahrungen.

Zielgruppe

Jugendliche ab 14 Jahren (Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II sowie Berufsschulklassen, in Jugendeinrichtungen)

Verhalten/Verhältnis
ausschließlich verhaltensbezogen
Ausschließlich verhaltensbezogene Programme setzen die Maßnahmen direkt am Individuum an, um gesundheitsbezogenes Verhalten zu beeinflussen. Dabei sollen für die Gesundheit riskante Verhaltensweisen (z.B. Rauchen, riskanter Alkoholkonsum) vermieden bzw. verändert werden sowie gesundheitsförderndes Verhalten unterstützt werden (z.B. gesunde Ernährung, Bewegung).
 
Methode

Herzstück des Programms ist ein Parcours zum Thema Glücksspiel, der aus 10 verschiedenen interaktiven Stationen besteht, kombiniert mit einführenden und abschließenden Übungen. An den jeweiligen Stationen sollen Schülerinnen und Schüler in Einzel-, Paar- und / oder Gruppenübungen (bis 4 Personen) sich ihrem persönlichen Konsum- und Freizeitverhalten bewusst werden, Risiken des Glücksspiels und mögliche soziale Folgen des Spielverhaltens verdeutlicht bekommen, über Wirkungen und Suchtpotenziale aufgeklärt werden und sich über Gewinnwahrscheinlichkeiten und über das Gefährdungspotenzial einzelner Glücksspiele informieren. Darüber hinaus sollen sie dazu angeregt werden, Schutzmechanismen gegen problematisches, pathologisches Spielen zu entwickeln und ihr Verhalten und ihre Einstellungen zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern.

Die Stationen des Parcours sind altersgerecht gestaltet und sollen selbstständig absolviert werden. Der Abgezockt-Parcours lädt Jugendliche dazu ein, Glücksspiele und ihre Wirkungsweisen selbst zu erleben, spielerisch zu erfahren, was Glücksspiel mit ihnen macht, und dabei eigene Wahrnehmungen, Entscheidungen und Reaktionen zu reflektieren. Die Stationen sind selbsterklärend und sollen der Festigung und Erweiterung des Gelernten dienen. Neben den von der Workshop-Leitung gesteuerten Übungen im Klassenverband sollen die Schülerinnen und Schüler mithilfe der eingesetzten unterschiedlichen Methoden vor allem dazu motiviert werden, sich selbständig Wissen anzueignen.

Das Programm sollte von einer Suchtpräventionsfachkraft und/oder Lehrkraft durchgeführt werden, beträgt ca. 5-6 Unterrichtsstunden (je nach Anzahl aufgebauter Stationen) und gliedert sich in drei Phasen: Thematische Einführung im Klassenverbund (75 – 90 Min), Stationsarbeit (85 -150 Min) mit 10 möglichen Stationen, davon 5 Pflichtstationen, und einer Abschlussrunde im Klassenverbund (45 Min).

Material

Rucksack mit Materialien zur Durchführung des Parcours. 

Manual mit differenzierten Einführungen, Beschreibungen, Vorlagen und Lösungsbögen.

Arbeitsmaterial für Schülerinnen und Schüler: Abgezockt!-Parcoursheft mit Arbeitsblättern und Hintergrundinformationen.

Kosten und Aufwand
Die Kosten zum Programm sind hier aufgeführt: Abgezockt! Parcours zur Glückspielprävention_Kostenaufstellung.pdf
Ansprechperson

Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS)
Neela Schremmer
Tel.: 0511-62626616
E-Mail: schremmer@nls-online.de 

www.nls-online.de


Programmbewertung

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt.

Evaluationsmethode und –ergebnisse

Kalke et al. 2012:

Die Evaluation erfolgte im Rahmen einer quasi-experimentellen Studie mit Follow-up nach 8 Monaten mit Interventions- und Kontrollgruppe in Hamburg. In die Analysen wurden Daten aus der Sekundarstufe I (8. bis 10. Klassen von Stadtteilschulen und Gymnasien) von 377 Schülerinnen und Schülern in der Interventionsgruppe und 244 Schülerinnen und Schülern in der Kontrollgruppe sowie Daten aus der Sekundarstufe II (Oberstufen und berufliche Schulen) von 288 Schülerinnen und Schülern in der Interventionsgruppe und 91 Schülerinnen und Schülern in der Kontrollgruppe einbezogen. Die Drop-Out-Rate lag bei der Sekundarstufe I-Befragung bei 40,5 % in der Interventions- und 35,1 % in der Kontrollgruppe. In der Sekundarstufe II-Befragung lag die Rate bei 43,6 % in der Interventions- und 49,7 % in der Kontrollgruppe. Als Outcome-Parameter wurden die Akzeptanz der Maßnahme, das glücksspielbezogene Wissen, die glücksspielbezogenen Einstellungen sowie Veränderungen im Glücksspielverhalten und Veränderungen im Computer-Onlinespielverhalten (letzteres nur in der Sekundarstufe I) erhoben. Sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Sekundarstufe II bewerteten die Schülerinnen und Schüler das Programm mit einer Durchschnittsnote von 2,7. Beim Wissen und bei den Einstellungen zeigten sich in der Sekundarstufe I signifikante Veränderungen zugunsten der Interventionsgruppe (Odds-Ratio: 1,9 bzw. 1,6). Auf Verhaltensebene konnten in dieser Gruppe keine signifikanten Veränderungen gefunden werden. Auch in der Sekundarstufe II zeigten die Schülerinnen und Schüler beim Wissen und bei den Einstellungen signifikante Verbesserungen zugunsten der Interventionsgruppe (Odds-Ratio: jeweils 2,0). Bei den Glücksspielen um Geld nahm in der Sekundarstufe II der Anteil derjenigen, die mindestens monatlich um Geld spielen, in den Interventionsklassen nach der Intervention von 28 % auf 23 % ab. Dagegen stieg in den Kontrollklassen der Anteil der monatlichen Spielerinnen und Spieler von 32 % auf 37 % an. Die Kontrollgruppe zeigte eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit mindestens monatlich Glücksspiele um Geld zu spielen als die Interventionsgruppe (Odds-Ratio: 1,8).

 

Kalke & Möller 2025:

Die Prozessevaluation des überarbeiteten Glücksspielparcours wurde 2024 in Schulen in Berlin und Niedersachsen durchgeführt. Die Haupterhebung erfolgte als anonyme schriftliche Befragung der Schülerinnen und Schüler an einem Messzeitpunkt, etwa vier Wochen nach der Teilnahme am Parcours. Zusätzlich wurde eine weitere Befragung mit Fokus auf drei neue Stationen direkt nach der Maßnahme durchgeführt, da z.T. die Befragungsfrist nicht eingehalten werden konnte. An der Haupterhebung nahmen 418 der Schülerinnen und Schüler aus 35 Klassen teil, von denen 404 Fragebögen auswertbar waren. In der Zusatzbefragung nahmen 146 Jugendliche aus 11 Klassen teil, davon 130 auswertbare Fragebögen. Erfasst wurden die Akzeptanz des Parcours, glücksspielbezogenes Wissen, Einstellungen zum Glücksspiel, selbst eingeschätzte Kompetenzen und Spielverhalten sowie die Bewertung einzelner Stationen. Als Messinstrument dienten standardisierte schriftliche Fragebögen. 71% der Schülerinnen und Schüler sahen ihr Wissen als verbessert an, 41% meinten, dass sie Glücksspielen kritischer gegenüberstanden und 27% dachten häufiger über ihre eigene Einstellung zum Glücksspiel nach. Die neuen Stationen zu Werbung, Sportwetten und simuliertem Glücksspiel wurden positiv bewertet.

Die Einstufung auf Stufe 3 der Grünen Liste Prävention basiert auf der Evaluation mit dem höchsten Design (Kalke et al. 2012). Diese Prozessevaluation (ohne Kontrollgruppe) bietet keine empirisch abgesicherte Aussage zur Wirksamkeit, sondern dient der Erfassung der Akzeptanz und Umsetzbarkeit des überarbeiteten Glücksspielparcours. Die vorgenommenen Änderungen am Parcours betreffen vor allem die inhaltliche Aktualisierung durch neue Themen wie Sportwetten, Glücksspielwerbung und simuliertes Glücksspiel, während die methodisch-didaktische Grundkonzeption weitgehend unverändert blieb.

Ergebnisbewertung
(überwiegend) positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
4 Sterne, hinreichende Beweiskraft

Programmumsetzung

erforderliche Kooperationen

Lehrkräfte/Suchtpräventionsfachkräfte, Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen 

In Niedersachsen kann über das Kontaktformular die zuständige Präventionsfachkraft im Bereich Glücksspiel kontaktiert werden, mit der eine Durchführung gemeinsam geplant werden kann.

In Berlin kann der Parcours über das Kontaktformular ausgeliehen und selbstständig durchgeführt werden.

Interessierte aus anderen Bundesländern können über folgenden Link „Weitere Bundesländer - abgezockt | Parcours zur Glücksspielprävention“ Kontakt zu den Ansprechpersonen aufnehmen.

Programm umgesetzt in

ca. 200 Schulklassen in Niedersachsen

Die Materialien sind bislang in den Bundesländern: Berlin, Bremen, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt bei den Suchtpräventionsfachkräften verfügbar. 

Programm aufgenommen in anderen Datenbanken, best-practice-Listen o.ä.

Suchzugänge

CTC-Risikofaktoren
Präventionsebene (nach Zielgruppe)
Alter der Zielgruppe
14 15 16 17 18 

Das Programm wurde am 03.07.2015 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 22.09.2026 geändert.


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