Erklär-Video:
Info-Broschüre:
Stärkung der allgemeinen sowie mehrsprachigen alltagsintegrierten Sprachbildung von Kindern,
Unterstützung der Eltern/Familien in ihrer Erziehungskompetenz und aktive Einbeziehung der Eltern in die Bildungsprozesse ihrer Kinder,
Heranführen der Familien an die Bildungseinrichtung und migrationsgesellschaftliche Öffnung der Kindertageseinrichtung.
Kinder aus Familien mit Einwanderungsgeschichte im Alter von 4 bis 6 Jahren, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, und deren Eltern/Familien
Rucksack KiTa möchte, gemäß des Empowerment-Ansatzes, Eltern/Familien in ihrer Erziehungskompetenz unterstützen und ihren Selbstwert (Selbstwirksamkeit) stärken, indem Eltern/Familien aktiv in die Bildungsprozesse ihrer Kinder einbezogen werden.
Das Programm dauert mindestens ein Kindergartenjahr und setzt sich aus den folgenden Elementen zusammen:
Unter Anleitung einer qualifizierten, mehrsprachigen, elternbegleitenden Person schließen sich bis zu 10 Eltern/Familien zu einer Rucksack KiTa-Gruppe zusammen. Die Gruppe trifft sich für ein Bildungsangebot in der KiTa (1x wöchentlich, je 2 Stunden). Anhand der Rucksack KiTa-Materialien werden verschiedene Themen besprochen und abwechslungsreiche Aktivitäten dazu angeleitet, meist in der Familiensprache. Themen sind z.B. „Die Gruppe“, „Die Familie“, „Kinderrechte und Partizipation“, „Körper und Sinne“, „Gefühle“, „Literacy“, „Bewegung“, „Essen und Trinken“, „Einkaufen und Verbrauchen“. Die Materialien stehen in mehr als 20 Sprachen zur Verfügung.
Parallel zu den Gruppentreffen werden die erlernten Aktivitäten anhand der Rucksack KiTa-Materialien zu Hause in der Familie umgesetzt (alltagsintegriert). Zu den Aktivitäten zählen z.B. Spiele, Lieder, Reime, Gedichte, Mal-, Bastel- und Vorleseaktivitäten. Durch die Aktivitäten lernen die Familien die Bedeutung von Büchern und Liedern, Spielen und Malen sowie Sprache und Handeln für die Entwicklung ihres Kindes kennen. Die Sprachkompetenz der Familien in der Erstsprache wächst – ein Zuwachs, der sich unmittelbar auf die Sprachentwicklung ihrer Kinder auswirken soll.
Zugleich fördert Rucksack KiTa eine migrationsgesellschaftliche Öffnung der Einrichtung durch alltagsintegrierte, mehrsprachige Sprachbildung von Familien innerhalb eines koordinierten Konzepts. Auf Grundlage eines diversitätsbewussten Konzepts und orientiert an Kriterien einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft wird zur Organisationsentwicklung beigetragen. Mit dem Programm werden Familien an die Bildungseinrichtung herangeführt und ihre Partizipation im Rahmen einer vertrauensvollen Erziehungs- und Bildungspartnerschaft gefördert. Fachkräfte erhalten Fortbildungen zu z.B. „Spracherwerb“, „diversitätsbewusste Erziehung“, „Ansprache und Einbindung von Familien aus benachteiligten Lebenslagen“.
Qualifikation der Elternbegleiterin/ des Elternbegleiters:
Interessierte mehrsprachige Eltern/Familien aus der KiTa, möglichst mit Einwanderungsgeschichte, können sich zur Elternbegleiterin/zum Elternbegleiter qualifizieren lassen. Sie sollten über gute Kenntnisse in einer oder mehreren Familiensprachen und in Deutsch verfügen. Die Elternbegleitenden werden 4 Wochen vor Beginn ihrer Tätigkeit auf Grundlage des bundesweit gültigen Curriculums durch eine koordinierende Person in das Programm eingeführt (ca. 30 Unterrichtseinheiten). Während der Umsetzung werden sie wöchentlich 2 Stunden durch die koordinierende Person auf das Programm der folgenden Woche vorbereitet.
Alternativ kann es sich bei der Leitung der Elterngruppe um eine Fachkraft aus der KiTa handeln, z.B. eine pädagogische Fachkraft oder Sprachförderkraft.
Für Elternbegleiterinnen/Elternbegleiter und pädagogische Fachkräfte werden Fortbildungen zu verschiedenen Themen angeboten: z.B. interkulturelle Sensibilisierung, Methoden der Gruppenleitung, Aktivitäten und Spiele, Beobachtung von Kindern, Sprachbildung, Sprachentwicklung, Spracherwerb, Literacy-Erziehung, Medienerziehung, interreligiöser Dialog und Entwicklung von Kleinkindern.
Die Umsetzung des Programms wird durch die jeweilige Landeskoordinierungsstelle oder eine regionale Koordinierungsstelle gesteuert bzw. koordiniert. Es werden z.B. jährliche Austausch- und Netzwerktreffen auf Bundesebene angeboten.
Außerdem verfügbar: Griffbereit und griffbereitMINI
Die Rucksack KiTa- Materialien für die Arbeit mit den Eltern/Familien umfassen Materialien für Familien in über 20 Sprachen und Rucksack-Übungsblätter für die Aktivitäten der Eltern/Familien mit ihren Kindern zu Hause: Webseite: Rucksack-KiTa/Material
Das „Curriculum für die Elternbegleiterinnen/Elternbegleiter“ enthält z.B. Fachtexte zur Vorbereitung und Nutzung des Familienmaterials sowie Beschreibungen der Programmumsetzung und der Aktivitäten.
Das „Curriculum für die Koordination“ begleitet die Schulung der Koordinatorinnen und Koordinatoren.
Die Kosten zum Programm sind hier aufgeführt: Rucksack KiTa_Kostenaufstellung.pdf
Niedersachsen:
Landeskoordinierungsstelle Rucksack Kita und Griffbereit, c/o LAG Soziale Brennpunkte e.V.
Stiftstr. 15, 30159 Hannover
Tel.: 0511-7000526
E-Mail: rucksack@lag-nds.de
Roth, H.-J., Terhart, H. (Hrsg.) (2015). Rucksack – Empirische Befunde und theoretische Einordnungen zu einem Elternbildungsprogramm für mehrsprachige Familien. Münster: Waxmann.
Kriterien sind überwiegend erfüllt
Die vorliegenden Studien zum Programm sind Prozessevaluationen (ohne Kontrollgruppe; daher Stufe 1 der Grünen Liste Prävention).
Roth et al. 2015:
Die Kölner „Rucksack-Studie" untersuchte als v.a. qualitative Prozessevaluation das Elternbildungsprogramm für mehrsprachige Familien und befragte teilnehmende Kinder, Eltern und Elternbegleiterinnen. Mit den Kindern (n=30 Kinder) wurden zum Thema „Rucksack-Alltag“, sprachliche Bildung und Sprachstand Interviews anhand eines Mal- und Lesebuchs geführt. Die Mütter wurden mit Interviews (n=18 Mütter) und Fragebögen (n=71 Mütter) zum „Rucksack-Alltag“ und zur sprachlichen Bildung sowie zum Sprachengebrauch und Wirkungen befragt. Die Elternbegleiterinnen (n=16 Elternbegleiterinnen) wurden zur didaktischen Organisation, sprachlichen Bildung und Beziehungsgestaltung interviewt. Die Studie zeigte eine hohe Akzeptanz des Programms. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz des Programms. Eltern fühlten sich besser in der Lage, ihre Kinder beim Lernen und bei der Sprachentwicklung zu unterstützen. Zudem verbesserte sich die Zusammenarbeit zwischen Familien und Bildungseinrichtungen. Besonders wichtig waren die Elternbegleiterinnen, die als Vertrauenspersonen fungierten. Die Befunde sprechen außerdem dafür, dass die Wertschätzung und Förderung der Herkunftssprache die sprachliche Entwicklung der Kinder unterstützt.
Lüter und Romppel 2009:
Die qualitative und deskriptive Prozessevaluation „Flächendeckende Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder mit Sprachschwierigkeiten“ in Hannover untersuchte von Mai 2007 bis April 2009 die Umsetzung des Elternbildungsprogramms „Rucksack“ in Kindertagesstätten. Insgesamt wurden 248 Personen befragt, darunter Leitungskräfte (n=22), pädagogische Fachkräfte (n=61), Elternbegleiterinnen (n=15) und Mütter (n=145). Es wurde die Sprachförderung der Kinder, die Aktivierung und Beteiligung von Eltern, die Qualifizierung von Elternbegleiterinnen, die Zusammenarbeit zwischen Familien und Kitas sowie die interkulturelle Öffnung der Einrichtungen erfragt. Verwendet wurden Gruppendiskussionen, leitfadengestützte Interviews, Telefonbefragungen und schriftliche Fragebögen. Die Kinder entwickelten mehr Freude am Sprechen, einen größeren Wortschatz und mehr Selbstvertrauen. Mütter interessierten sich stärker für den Kita-Alltag ihrer Kinder und verbrachten mehr Zeit mit ihnen. Zudem verbesserten sich die Beziehungen zwischen Eltern und Fachkräften, und die interkulturelle Kommunikation wurde gestärkt.
Kleine-Salgar und Wehner 2008:
Die Prozessevaluation des Modellprojekts „Rucksack 1 für Bonn“ untersuchte die Wirkung eines Elternbildungs- und Sprachförderprogramms für Familien mit Migrationshintergrund im Zeitraum Juni 2006 bis Juni 2007. Es beteiligten sich 37 Kinder, 3 Stadtteilmütter sowie Müttergruppen mit jeweils 9 bis 12 Teilnehmenden aus 3 Kindertagesstätten. Erfasst wurden die Mehrsprachigkeit, die Deutschkenntnisse, schulvorbereitende Fähigkeiten, die Eltern-Kind-Beziehung, die Zusammenarbeit zwischen Kita und Elternhaus, Elternbildung sowie die interkulturelle Öffnung der Kitas. Ausgewertet wurden Sprachstandsuntersuchungen des Gesundheitsamtes, SISMIK-Beobachtungsbögen zur Sprachentwicklung, standardisierte Fragebögen für Mütter, Stadtteilmütter und Erzieherinnen sowie Projektbeobachtungen. Die meisten Kinder verbesserten ihre sprachlichen Fähigkeiten, ihr Interesse an Büchern und ihre Kommunikationsbereitschaft. Mütter berichteten von einer stärkeren Nutzung der Herkunftssprache, einer besseren Zusammenarbeit mit den Kitas und einer intensiveren Beziehung zu ihren Kindern.
Landes-/ Koordinierungsstelle Rucksack KiTa, Örtlicher Jugendhilfeträger, KiTa
Die Umsetzung des Programms wird durch die jeweilige Landeskoordinierungsstelle oder eine regionale Koordinierungsstelle gesteuert bzw. koordiniert.
Das Programm wurde am 25.05.2011 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 28.07.2026 geändert.